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„Schrawe“ / Haus Menn

Haus Schrawe in Helberhausen: Ein lebendiges Denkmal regionaler Geschichte 

Das „Haus Schrawe“ in der Bäche ist weit mehr als nur ein Gebäude – es ist ein Spiegelbild der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung Helberhausens über drei Jahrhunderte hinweg. Von der landwirtschaftlichen Urzelle bis zum modernen KfW-Effizienzhaus hat dieses Objekt eine beeindruckende Wandlung vollzogen. 

Die Ursprünge: Landwirtschaft und Handel 

Seinen Namen verdankt das Haus dem Landwirt Hans Wilhelm Schrage aus Haarhausen, der 1707 in die Familie Limper einheiratete. Über vier Generationen hinweg blieb die Landwirtschaft die Haupterwerbsquelle. 

Ab den 1850er-Jahren setzte unter Heinrich Feldmann ein bedeutender Wandel ein. Er erweiterte den Betrieb um: 

  • Ein Krämereigewerbe und Eisenhandel: Gehandelt wurde mit Lebensmitteln, Backwaren aus der eigenen Backstube, Düngemitteln und Brennstoffen. 
  • Regionale Wirtschaftsförderung: Heinrich Feldmann kaufte den Dorfbewohnern Produkte wie Holzkohle und Schuhnägel ab und verkaufte sie weiter, wodurch er Arbeit für Fuhrleute und Handwerker schuf. 
  • Gastronomie-Beginn: 1879 wurde nach einem Anbau erstmals die Erlaubnis zum Betrieb einer Gastwirtschaft erteilt. 

Ein Zentrum für Tourismus und Geselligkeit 

Mit dem Anbau von 1905 durch Eduard Menn wurde das Haus gezielt auf den aufkommenden Fremdenverkehr vorbereitet. Es entstanden ein Saal, ein Stall für sechs Pferde und Fremdenzimmer. 

  • Sommerfrische: Über Jahrzehnte war Haus Schrawe ein Rückzugsort für Erholungssuchende aus dem Ruhrgebiet und dem Rheinland, die hier teils mit „Familienanschluss“ ihren Urlaub verbrachten. 
  • Sozialer Mittelpunkt: Das Haus war der Treffpunkt für Stammtische, den Gesangverein (der dort von 1878 bis 2008 probte) und legendäre Veranstaltungen wie den „Bärenball“. 
  • Kulinarische Tradition: Besonders geschätzt wurden die Gastfreundschaft von „Tante Alma“ sowie ihre Fleischwurst und der hausgemachte Kartoffelsalat. 

Der Wandel in die Moderne 

Nachdem der Gaststättenbetrieb ab 1964 verpachtet worden war, übernahm 1993 Gerhard Menn das Anwesen. Während die Gasträume im Erdgeschoss noch bis Ende 1997 verpachtet blieben und danach für private Feiern genutzt wurden, blieb die Betriebsküche als Sitz für einen Partyservice erhalten. 

Die Kernsanierung 2020 

Heute präsentiert sich das ortsbildprägende Gebäude in einem neuen Gewand: 

  • Wohnwirtschaftliche Nutzung: Das Haus wurde 2020 kernsaniert und beherbergt nun sechs individuell gestaltete Wohnungen. 
  • Nachhaltigkeit: Es entspricht dem Standard eines KfW-Effizienzhauses 85. Erreicht wurde dies unter anderem durch eine ökologische Innenwanddämmung mit Holzweichfaserplatten und den Einsatz von Lehmprodukten. 
  • Förderung: Die Renovierung der Fassaden wurde aufgrund ihrer Bedeutung für das Ortsbild durch das Dorferneuerungsprogramm NRW unterstützt. 

Haus Schrawe bleibt somit auch nach seiner Wandlung vom Handelsplatz und Gasthof zum modernen Wohnhaus ein fester Ankerpunkt in der Geschichte Helberhausens – ein Ort, an dem sich Tradition und ökologische Zukunft begegnen.